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Piercing und Moderne
Das moderne Piercing ist längst nicht mehr anrüchig sondern gesellschaftsfähig und aufregend. Der Geschäftsmann im Maßgeschneiderten Anzug trägt seinen Piercing-Schmuck mehr oder weniger offen ebenso wie die 17-Jährige Gymnasiastin.
Jeder fünfte Deutsche schmückt sich mit einem Genital-, Ohr-, Lippen-, Augenbrauen- oder Zungen-Piercing. Die Namen und Benennungen des jeweiligen Schmucks und Piercings sind so vielfältig, wie die Gründe, die Piercer dazu bewegen sich Körperteile durchstechen zu lassen. Das bekannteste Piercing ist „Lobes“, das Ohrläppchenpiercing, das kaum mehr als solches erkannt wird. Genitalpiercings haben den Ruf „luststeigernd“ zu sein und angeblich sind Teens ohne Piercing für ihre Altersgenossen weniger attraktiv.
Das Piercing hat eine lange Tradition bei den Natur- bzw. alten Kulturvölkern wie den Maya, Azteken und Inkas sowie einigen Südseestämmen. Das moderne „westliche“ Piercing erlebte seine Wiedergeburt in den 80-er Jahren und hielt einen Siegeszug in den 90-ern. Der Trend begann mit „The Gauntlet“, einem professionellen Piercing Shop, der je nach Quelle bereits 1975 oder 1976 in Los Angeles oder San Francisco betrieben wurde. Einigkeit besteht darüber, dass die Bewegung der modernen Wilden, den Modern Primitives, das Piercing Anfang der 80-er Jahre in Kalifornien populär machte.
Von dort schwappte der Trend der Body Modification nach Europa, wo er zunächst auf Subkulturen und Randgruppen – etwa die Punk- und Bikerszene – beschränkt war. Das moderne Piercing galt als anstößig, da es in den 90-ern unter Homosexuellen und Anhängern des BDSM (Sadism-Masochism) weit verbreitet war.
Das Piercing in der „Moderne“ ist schon längst kein Ausdruck der Auflehnung gegen die Gesellschaft oder Zeichen einer bestimmten Gruppenzugehörigkeit. Es ist seit langem kommerzialisiert. |
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